Caritativ, humanitärer Einsatz in Rumänien

Seit mittlerweile fast zwei Monaten bin ich nun schon in Oradea, in Rumänien im Einsatz.

Was habe ich eigentlich seitdem gemacht? Auf Grund des Krieges in der Ukraine, habe ich meinen Plan, einen weiteren Pilgerweg zu gehen, sehr frühzeitig geändert. Der Gedanke, Freunden in und um die Ukraine herum humanitär oder caritativ helfen zu können, war stärker! Von Beginn an bin ich als Volontär bei der Caritas in Oradea „angestellt“. Meine Aufgaben bei der Caritas sind sehr vielfältig. Da die Lage an der Grenze zur Ukraine, von Oradea circa 160 km entfernt, nicht so dramatisch ist, wie sie zu Beginn des Krieges erwartet wurde, ist die Flüchtlingsunterkunft der Cariats zurzeit „leer“. So dient mein Einsatz in der Hauptsache den Menschen hier in Oradea und des Kreises Bihor. Zu Beginn des Einsatzes besuchte ich Schulen für die sozialschwächsten Kinder und auch Roma-Kinder. Ihnen schenkt die Caritas in unregelmäßigen Abständen kleiner Hilfspakete. Enthalten sind zum Beispiel Lebensmittel, wie Marmelade oder auch Schokolade, Hygieneartikel wie Duschgel und so weiter. Es sind nicht einfach nur Geschenke, sie dienen in erster Linie dazu, dass die Kinder überhaupt zur Schule kommen. Denn viele Familien, besonders die Romafamilien, sehen nicht den Sinn, warum ihre Kinder dorthin sollen. Durch diese Geschenke kommen sie aber gerne regelmäßiger.

Hauptsächlich bin ich über die gesamte Zeit im „Zentrallager“ der Caritas beschäftigt. Hier, im ehemaligen Kanonikergebäude des Bistums, direkt neben der Basilika, werden alle ankommenden Spenden, registriert, zum Teil gewogen, nachsortiert und gelagert. Und immer wieder kommen Fahrzeuge aus der Umgebung und holen Ladungen voll ab. Diese Spenden werden mit großen LKW´s hierhergefahren. Auch in meiner Zeit kamen solche. Voll mit Kleidern, Spielsachen, Drogerieartikel, Lebensmittel, medizinische Hilfsmitteln, auch Medikamente oder Windeln. Selbst Möbel aller Art kommen hier an. Sowie auch Krankenbetten, Rollstühle und so weiter. Auch hier in Oradea selbst, betreibt die Caritas 4 Läden, in denen man diese Spenden günstig erwerben kann. Nur an ganz arme Menschen werden diese Güter verschenkt. So war ich vergangene Woche auch in einem Obdachlosenhaus. In diesem Haus können die Obdachlosen übernachten und bekommen von verschiedenen Organisationen etwas zu Essen. Und auch die Caritas beteiligt sich daran. Ich durfte diesen Menschen jeweils einen Beutel schenken, mit Lebensmittel und Hygieneartikel. Ähnlich wie bei uns in der Heimat, gibt es hier bei der Caritas auch häusliche Pflege. Natürlich etwas anders. Vor allem, weil es hier auch wiederum die Ärmsten am härtesten trifft. So gibt es natürlich nicht so ein Gesundheits-und Pflegesystem wie bei uns. Das bedeutet, dass diese Menschen auf die Caritas angewiesen sind. Denn die Caritas wird nur dort bezahlt, wo es möglich ist. Es gibt aber viele, zu viele Menschen, die es nicht bezahlen, oder nur wenig bezahlen können. Die Differenz zahlt, soweit möglich, die Caritas selbst. Auch Altenpflegeheime gibt es von der Caritas. Diese machen aber durchweg nur „rote Zahlen“. Sowohl bei der häuslichen Pflege, mit Krankenpflegern oder Physiotherapeut, war ich unterwegs, wie auch beim Ausliefern von Hilfsmitteln, Medikamenten oder umräumen von Pflegezimmern in den festen Häusern. In dieser Woche bin ich dann noch den Essenfahrern behilflich. Das ist so ähnlich wie das „Essen auf Rädern“ bei uns. Es ist teilweise schon erschreckend wie die Menschen hier in ihren Wohnungen leben (müssen). Gerade die, die Hygiene und Sauberkeit dringend nötig haben, können dieses ohne fremde, private Hilfe oft gar nicht ermöglichen. Denn das kann die Caritas beim besten Willen gar nicht leisten. Was die Caritas betrifft, habe ich dann noch Handwerklich unterstützt. Eine Sozialwohnung benötigte einen neuen Fußboden, dort habe ich mitgeholfen. Das Verwaltungs-bund Haupthaus der Caritas wird schon seit Jahren renoviert. Eine Handwerksschule aus Wien-Mödling unterstützt dies immer wieder mit einigen Schülern, die für ein paar Tage hierherkommen. Auch dort habe ich beim Abhängen der Decken geholfen. Hilfstransporte in die Ukraine konnte ich aus verschiedenen Gründen bisher noch nicht begleiten. Ich bin aber unter anderem mit meinen Freunden aus der der Ukraine in Kontakt, um einen Transport noch realisieren zu können. Was die Flüchtlingsarbeit betrifft, war ich dann außerhalb der Caritas aktiv. Hier habe ich zum Beispiel mit der Leiterin des Vereins „Internationaler Kinderrettungsdienst“, Unterkünfte für Flüchtlinge, meist Mütter mit ihren Kindern und ein Feriencamp für Flüchtlingskinder besucht. Dort sind auch die Kinderheime von hier aus der Umgebung mit dabei. Denn die Frau Szanto ist auch gleichzeitig beschäftigt im Kreisjugendamt. Über ihren Tisch gehen alle Anträge und Schriftstücke, die die Kinderhäuser betreffen. So auch das in Galospetreu, wo ich mich schon seit 3 Jahren engagiere. Ein Besuch dort steht für kommenden

Samstag auf dem Plan. Selbstverständlich bin ich auch privat oder im Sinne unserer Gemeindepartnerschaft unterwegs. 10 Jahre besteht nun diese Partnerschaft. Ich selbst bin 2017 zum ersten mal hierher mitgeflogen. Viele Freundschaften sind daraus entstanden. So mache ich natürlich auch solche Besuche. Dabei habe ich dann auch viele schöne Traditionen kennengelernt. Zum Beispiel die Fronleichnamsprozzession an der Basillika, auch eine Priesterweihe von Freunden. Das Kirchweihfest in Palota und so weiter.  Was in diesem Zusammenhang sehr schade ist, Pfarrer Sandor Pek muss die Gemeinde nun, nach auch 10 Jahren verlassen. Er wird so etwas wie Domvikar an der Basillika. Das heißt, ein neuer Pfarrer und ein Kaplan kommen in die Gemeinde. Es wird spannend zu erfahren, ob sie auch die Partnerschaft fortführen werden. Gemeindemitglieder, die vieles, wie auch bei uns, tragen, sind dazu bereit. In den kommenden Tagen, so hoffe ich, werde ich die „Neuen“ auch mal treffen. Im Namen unserer Gemeinde, besonders des Missionsausschusses, sind wir Pfarrer Sandor Pek sehr dankbar für das, was in diesen 10 Jahren aufgebaut wurde. Dieses habe ich auch auf der Internetseite der Gemeinde bereits betont!

Zu guter Letzt möchte ich natürlich meinen Spendenaufruf nicht vergessen! Wie schon im Vorfeld von mir berichtet, werde ich die Spenden aufteilen. Bisher sind etwas mehr als 11 000,00 Euro zusammengekommen! Hierfür schon mal meinen allerherzlichsten Dank!!! Ein Teil dieser Summe geht an die Kirchengemeinde St. Ladislaus. Verwendet wird diese dann für die Ärmsten der Gemeinde. Denn sie kommen kaum noch über die Runden. Wie auch bei uns sind die Lebensunterhaltskosten enorm gestiegen. Und ich habe immer betont, natürlich ist es wichtig in der Ukraine zu helfen und zu Spenden. Aber wir dürfen die armen Nachbarn dabei nicht vergessen. Denn hier wird direkter „erste Hilfe“ geleistet! Der andere Teil geht an die Caritas Oradea! Auch der Erlös der „Menschenkette“ im April ging an die Caritas. Diese über 5000,00 Euro sind Zweckgebunden für die Ukrainehilfe. Von Diesem Geld werden Medikamente, Lebensmittel und andere Dinge gekauft, die auf einer Liste von der Caritas aus Mukachevo stehen. Mit der Caritas aus dem ukrainischen Nachbarbistum steht die Caritas aus Satu Mare und Oradea im engen Kontakt. Eine dieser Hilfslieferungen werden wir am Mittwoch verladen und auf den Weg bringen. Geld von meiner Spende, die ich im Zuge meines Einsatzes an die Caritas Oradea überbringe, ist dafür bestimmt, dass sie, die Caritas ihre Altenheime auch im Winter heizen können. Denn die große Frage wird sein: Was geschieht, wenn der Winter hart und lang wird? Wenn kein Gas mehr zum Heizen kommt? Ich habe ja bereits geschrieben, dass die Häuser rote Zahlen schreiben. „Aber“, so sagte der Direktor der Caritas zu mir, „Sollen wir dann die Menschen abweisen? Das können wir nicht!“ Ferner wird auch ein möglicher Teil dieses Geldes für die ukrainischen Nachbarn verwendet!

Spenden können weiterhin auf das Spendenkonto der Kirchengemeinde St. Georg Vreden überwiesen werden. Oder im Pfarrbüro abgegeben werden. Wichtig ist immer der Verwendungszweck: „Rainer´s Projekt“. Ich grüße alle, die gegrüßt sein wollen aus Oradea in Rumänien und freue mich auf ein Wiedersehen Ende dieses Monates!

Bis dahin, bleibt gesund und passt auf einander auf, Rainer Pag.