Corona-Krise: Auswirkungen auf Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft

Zur Auswirkung der Corona-Krise auf die Landwirtschaft erklärt Friedrich Ostendorff MdB, Sprecher für Agrarpolitik der Fraktion Bündnis90/Grüne im Deutschen Bundestag:

Die Corona-Krise trifft uns alle schwer und stellt uns ohne Ausnahme vor große Herausforderungen. Jetzt ist keine Zeit für Kleinstaaterei und Engstirnigkeit. Die Landwirtschaft ist systemrelevant für unsere Grundversorgung. Die Lebensmittelversorgung muss zu jeder Zeit gesichert werden.

Die Produktion muss, wenn notwendig, auch mit den erforderlichen Mitteln ge- stützt werden. Bäuerlichen Betrieben in Not muss geholfen werden und Märkte notfalls mit Kriseninstrumenten stabilisiert werden.

Insbesondere die Versorgung mit frischen Lebensmitteln wie z.B. Gemüse und auch Obst muss gewährleistet werden. Wir müssen jetzt die Produktion hier in Deutschland stärken. Aber auch die Aufrechterhaltung der Lebensmittelkette für verarbeitete Produkte hat höchste Priorität.

Zur Zeit wird auf den Höfen jede helfende Hand gebraucht. Noch sind die Arbeitenden da, aber wie das in der Zukunft aussieht, ist schwer zu sagen. Wir müssen die Einreise von Saisonarbeitskräften nach Deutschland auch in der jetzigen Situation ermöglichen. Allerdings muss der Gesundheitsschutz der Arbeitenden gewährleistet werden und absolute Priorität haben.

Die Frage der Unterbringung und der gesundheitlichen Versorgung muss deshalb dringend geklärt werden, Massenunterkünfte darf es jetzt nicht geben. Die Standortgemeinden sind jetzt gefordert nicht länger weg zu sehen, wenn es um die Einhaltung von guten Arbeits- und Lebensbedingungen geht. Auch die Gesundheitsämter müssen einbezogen werden und ihrer Verantwortung gerecht werden.

Wir müssen aber auch unkonventionelle Wege beschreiten, wenn Arbeitskräfte in der Landwirtschaft ausfallen. Wir müssen Menschen motivieren auf dem Feld mit zu arbeiten, beispielsweise bei der Erdbeer- und Rhabarberernte. Wenn Menschen von Einkommensausfällen oder Kurzarbeit betroffen sind und gleichzeitig Gemüse- bauerinnen und Gemüsebauern Hilfe benötigen, müssen kreative und gute Lösungen gefunden werden.

Wenn Arbeitskräfte fehlen könnte die Arbeit in der Landwirtschaft kurzfristig gefördert werden, um Anreize zu schaffen. Ich wünsche mir, dass wir kreativ und gemeinschaftsorientiert über bestehende System-, Branchen- oder Politikgrenzen hinweg mit dieser Krise umgehen.

0 0,00