Gut besuchter Gesprächsabend zur Sozialen Marktwirtschaft „Made in Vreden“ im kult – Westmünsterland

V.l.n.r.: Markus Classen, Vorsitzender der BKU-Diözesangruppe Münster, Bruder Karsten-Johannes Kruse, Verwaltungsleiter Haus Früchting, Vredens Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch, Thomas Nünning, Adveniat e.V., Corinna Endlich, Leiterin des kult, Dr. Volker Tschuschke, Historiker im Team des kult.

Der Gesprächsabend zum Thema „Soziale Marktwirtschaft – Made in Vreden“ am 11. März im kult – Westmünsterland, den der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) organisiert hatte, war sehr gut besucht.

Vier Impulsvorträge führten zu einer intensiven Diskussion mit dem Publikum, bevor der Abend mit weiteren Gesprächen der etwa 50 Teilnehmer*innen ausklang.

Thema des Abends war die Geschichte der Sozialen Marktwirtschaft, deren Grundzüge Professor Alfred Müller Armack unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg im Vredener Herz-Jesu-Kloster in seinem Buch „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“ entwickelte.

Nachdem Corinna Endlich, Leiterin des kult und Moderatorin des Abends, informativ und kurzweilig durch die Räumlichkeiten und Ausstellungen des Veranstaltungsortes geführt hatte, begann der inhaltliche Teil über das Leben und Arbeiten von Alfred Müller-Armack mit der Begrüßung durch den Initiator der Veranstaltung, Thomas Nünning, vom katholischen Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Er stellte u.a. die Frage in den Raum, über welche Themen Alfred Müller-Armack wohl heute nachdenken würde, angesichts von aktuellen Krisen wie dem Klimawandel und der wirtschaftlichen Ungerechtigkeit im Verhältnis zum Globalen Süden. Anschließend folgten die vier Impulsvorträge.

Vredens Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch betonte die historische Dimension der Sozialen Marktwirtschaft und ihre Bedeutung für Deutschland und Europa. Die Tatsache, dass unsere Gesellschaftsordnung ausgerechnet in Vreden erfunden wurde, ist immer noch zu wenig bekannt. Dabei gehört sie als Alleinstellungsmerkmal doch zum Markenkern von Vreden und dem Westmünsterland. Politisch gesehen, sollte die Soziale Marktwirtschaft in das Grundgesetz aufgenommen werden, damit dieses Erfolgskonzept auch in Zukunft gültig bleibt.

Karsten-Johannes Kruse, Bruder im Canisianer-Orden, leitet heute das Haus Früchting, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung auf dem Gelände des Herz-Jesu-Klosters in Vreden-Ellewick. Seit 1927 leben und arbeiten Canisianer-Brüder dort. Dort nahmen sie 1943 ihren später so berühmten Gast Alfred Müller-Armack und seine Forschungsstelle für allgemeine und textile Marktwirtschaft aus Münster auf, die wegen der Bombenangriffe ein sicheres Ausweichquartier suchte. Bruder Karsten-Johannes berichtete aus der Kloster-Chronik und erzählte u.a. die Anekdote, dass Alfred Müller-Armack eines Tages die Treppe im Klostergebäude herunterkam und gerufen haben soll: „Nun weiß ich wie es heißen muss – ‚Soziale Marktwirtschaft‘ muss es heißen, ‚Sozial‘ mit großem ‚S‘.“

Dr. Volker Tschuschke, Historiker im Team des kult, ordnete Müller-Armacks Wirken in die geschichtlichen Zusammenhänge ein. Er beschrieb die schwierigen Umstände der Kriegs- und Nachkriegszeit, unter denen Alfred Müller-Armack sein wirtschafts- und ordnungspolitisches Konzept entwickelte: Im Herz-Jesu-Kloster begann er wohl schon vor dem Kriegsende damit, sich mit den Fragen einer zukünftigen Wirtschaftsordnung auseinanderzusetzen. Diese Gedanken bündelte er in seinem bahnbrechenden Buch von 1947. Aber erst ab 1949 wurden sie dann öffentlich richtig bekannt, als die CDU das Konzept aufgriff und im Bundestagswahlkampf publik machte.

Da die Geschäftsführerin des BKU, Dr. Sabine Schößler, Köln, erkrankt war, fasste Thomas Nünning einige Zukunftsperspektiven zusammen: „Die Soziale Marktwirtschaft im 21. Jahrhundert, international, digital, ethisch.“ Der BKU ist ein Zusammenschluss von Unternehmerinnen und Unternehmern, die sich seit über 70 Jahren einbringen, damit die Soziale Marktwirtschaft ins öffentliche und politische Bewusstsein gelangt und zukunftsfest gestaltet werden kann. Das geschieht beispielsweise mit dem klaren Auftrag, die ethischen Werte der christlichen Soziallehren in das Wirtschaftsleben zu tragen. Aber auch mit konkreten Konzepten zu Fragen wie „Wem gehören Daten?“ und „Wie soll eine internationale Soziale Marktwirtschaft aussehen?“. Für den BKU ist die Soziale Marktwirtschaft ein Friedensprojekt für Deutschland und Europa, das als erfolgreiches Gegenkonzept zum liberalen Wirtschaftsmodell der USA bzw. dem kommunistisch-autokratischen Gesellschaftssystem Chinas aktiv fortgeführt und international etabliert werden muss.

In der anschließenden Diskussion entwickelte sich ein intensiver und durchaus kritischer Austausch mit dem Publikum. Es ging darum, wie gesellschaftliche Zukunftsfragen, Ethik und Religion und das Thema Soziale Marktwirtschaft in Verbindung mit seinem Geburtsort Vreden weiterhin diskutiert und fortentwickelt werden können. Man war sich einig, dass spätestens 2022 wieder eine Veranstaltung stattfinden soll, wenn sich die Veröffentlichung des berühmten Buchs von Professor Alfred Müller-Armack zum 75. Mal jährt.

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