Papier mag es nicht gern sauer

Stadtarchiv Vreden beteiligt sich an der Landesinitiative Substanzerhalt

Kreis Borken, Theresa Connemann, v.l.: Birgit Kemper vom Stadtarchiv Vreden und Julian Bragard vom LWL-Archivamt Münster

Historische Dokumente dauerhaft zu erhalten, zu sichern und für die Forschung zur Verfügung zu stellen ist eine wesentliche Aufgabe des Archivs.

Da Archivgut jedoch aufgrund schlechter Papierqualität und eines hohen Säuregehaltes vom unaufhaltsamen Papierzerfall bedroht ist, beteiligt sich das Stadtarchiv Vreden erstmalig an der Landesinitiative Substanzerhalt des Landes NRW (LISE).

LISE fördert in Kooperation mit den beiden Landschaftsverbänden die Entsäuerung nicht-staatlichen Archivguts. Die organisatorische Durchführung obliegt für den Landesteil Westfalen-Lippe dem LWL-Archivamt für Westfalen in Münster. Dort steht eigens ein Team von restauratorischen Fachkräften als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie beraten u.a. die Kommunalarchive in Entsäuerungsfragen und koordinieren die Entsäuerungsaufträge der an diesem Projekt teilnehmenden Archive.

Entscheidet sich ein Archiv für das Verfahren, beginnt die Auswahl geeigneter Archivalien. So wurden jetzt erstmals Archivalien des früheren Amtes Ammeloe aus der Zeit von 1818 bis 1921 dem LWL-Archivamt zur Entsäuerung übergeben. Diese Archivalien lagern zusammen mit anderen historischen Beständen des Stadtarchivs Vreden im kult am Kirchplatz.

Entsäuerungsverfahren

Im LWL-Archivamt werden die Akten für die Entsäuerung vorbereitet und später nach Leipzig in das Zentrum für Bucherhaltung weitertransportiert. Dort erfolgt die Entsäuerung entweder im Einzelblatt- oder Blockverfahren.

Das Einzelblattverfahren beginnt mit der Folierung der Bestände, denn im Anschluss durchläuft jedes Blatt einzeln die Entsäuerungslösung. Anschließend werden die Blätter getrocknet und gepresst. Im Blockverfahren wird die gesamte Akte mit der nicht-wässrigen Entsäuerungsflüssigkeit geflutet, im Folgenden vakuum-getrocknet und gegebenenfalls rekonditioniert. Zur Nachbereitung werden die entsäuerten Archivalien zurück zum LWL-Archivamt transportiert. Dort findet eine abschließende Qualitätskontrolle statt. Abschließend werden die Archivalien zurück an das Stadtarchiv Vreden geliefert. Die in diesem Zusammenhang entstehenden Kosten werden mit 60 Prozent vom Land bezuschusst

Die Entsäuerungsaktion wird im nächsten Jahr mit weiteren Aktenbeständen des Stadtarchivs Vreden fortgeführt. So werden diese dauerhaft für die Forschung nutzbar gemacht.

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