Seuchenfall in Brandenburg trifft auch Borken

Afrikanische Schweinepest hat Deutschland erreicht

Für den Menschen ist sie ungefährlich, für infizierte Schweine liegt die Sterblichkeitsrate jedoch bei nahezu 100 Prozent. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in Deutschland angekommen.

Am 10. September hat das Bundeslandwirtschaftsministerium den Nachweis der ASP bei einem verendeten Wildschwein in Brandenburg nahe der polnischen Grenze bestätigt. Der Fundort liegt zwar über 600 Kilometer von Borken entfernt. Aufgrund nun zu befürchtender internationaler Handelshemmnisse für deutsches Schweinefleisch sind die schweinehaltenden Betriebe im Westmünsterland dennoch alarmiert, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Borken, Ludger Schulze Beiering: „Der ASP-Seuchenfall schwebt seit Jahren wie ein Damoklesschwert über unserer Schweinehaltung. Es kommt uns nun hoffentlich zu Gute, dass in der Zwischenzeit verschiedenste gesetzliche Voraussetzungen geschaffen sowie Maßnahmen vorbereitet und erprobt wurden, um die Herausforderung zu meisten. Als Interessenvertreter und selber auch als Schweinehalter erwarte ich nun von Politik und Verwaltung die entschiedene Umsetzung der erarbeiteten Krisenpläne, um dadurch die unvermeidlichen wirtschaftlichen Folgen zu begrenzen.“

Gleichzeitig warnt Schulze Beiering auch vor einer übereilten Katastrophenstimmung unter den Landwirten: „Wir stehen dazu als Bauernverband im engen Austausch mit Politik, Verwaltung und Handel. Dies gilt auch für uns als Kreisverband im Kontakt vor allem mit dem Landkreis, aber auch mit unseren Mitgliedern vor Ort. Unsere Betriebe haben sich in den letzten Jahren flächendeckend vorbereitet, die Hygienemaßnahmen verstärkt und die Jägerschaft bei der Bekämpfung der Wildschweineausbreitung vor Ort unterstützt. Auch der Landkreis hatte den potentiellen Fall eines lokalen ASP-Ausbruch im letzten Jahr in einer Krisenübung erprobt und uns als Kreisverband hieran mit beteiligt.“ Es gibt aktuell im Westmünsterland keinerlei Einschränkungen bezüglich Tiertransporten. Schulze Beiering unterstützt den Aufruf des WLV-Präsidenten Hubertus Beringmeier an die Handelspartner in der Lebensmittelkette zu Solidarität in der Branche. Insbesondere der deutsche Lebensmitteleinzelhandel trage nun eine besondere Verantwortung.

Im Kreis Borken gibt es nach Angaben der Kreisverwaltung aktuell 1.372 schweinehaltende Betriebe, auf denen zusammen 1,17 Millionen Schweine gehalten werden.

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Einen dringenden Appell richtet Ludger Schulze Beiering angesichts des Seuchenfalls an die Bevölkerung, zuvorderst an Jäger und Landwirte: „Jeder, der mit dem Gedanken gespielt hat, sollte jetzt noch mal in sich gehen, ob eine Reise in ein Gebiet notwendig ist, in dem die Afrikanische Schweinepest aktuell um sich greift.“ Vor allen Dingen müsse gewährleistet sein, dass aus diesen Gebieten keine Schweinefleischerzeugnisse mitgebracht werden. Vor Ort hier im Kreis Borken sei es weiterhin wichtig, Speiseabfälle über geschlossene Behälter zu entsorgen und nicht achtlos in die Landschaft zu werfen, da diese von Wildschweinen gefressen werden können. Wer ein verendetes Wildschwein findet, beispielsweise auf dem Waldspaziergang, sollte den Kadaver nicht berühren. In diesem Fall ist das Veterinäramt in Borken, beziehungsweise die Polizei über den Fundort zu informieren.

Zum Thema: Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine schwere Virusinfektion, die Haus- und Wildschweine befällt. Es gibt – anders als bei der Klassischen Schweinepest – weder Impfung noch Therapie. Infizierte Schweine verenden in der Regel. Das Virus ist widerstandsfähig und lange ansteckend. In Rohwurst, Schinken und Gefrierfleisch kann sich der Erreger Monate bis sogar Jahre halten. Wenn Wildschweine diese fressen, stecken sie sich an. Für Menschen und andere Haustiere ist die ASP ungefährlich. Der Erreger ist nicht auf Menschen übertragbar. Der Verzehr von Schweinefleisch und daraus hergestellten Produkten ist für den Menschen unbedenklich.

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