Tradition und Fortschritt im Chorverband Westmünsterland

Das Gute bewahren und dabei das Neue fördern, das war der Spannungsbogen, in dem sich die Zentralehrung des Chorverbandes Westmünsterland am letzten Sonntag in Stadtlohn bewegte. Laut Titel stand natürlich die Tradition im Mittelpunkt der Veranstaltung, bei der eine große Anzahl Sängerinnen und Sänger für ihre langjährige Aktivität als Chorsänger*innen und als engagierte ehrenamtliche Vorstandsmitglieder geehrt wurden.

Roland Raabe am Keybord sorgte während des gesamten Vormittags für eine ausgesprochen harmonische Stimmung. Nach dem 1.Vorsitzenden des Chorverbandes, Reinhard Menke aus Vreden, begrüßte der stellvertretende Vorsitzende des Stadtlohner Männerchores 1922 e.V., Dieter Möllers, die zahlreich erschienenen Gäste. Als Geburtstagskind und aktuell ausgezeichnet mit der Zelter-Plakette, fungierte der Stadtlohner Chor in diesem Jahr als Gastgeber für die Veranstaltung. Seitens der Stadt Stadtlohn begrüßte der stellvertretende Bürgermeister Martin Kömmelt die Freunde des Chorgesanges und fand lobende Worte für die ehrenamtlichen Kulturträger. Auch der 2. Landrat Otger Harks beglückwünschte nicht nur die einzelnen Jubilare bei der folgenden Ehrung, sondern betonte in seinem Grußwort die Bedeutung des Einzelnen für die Gemeinschaft. Dies gelte auch und besonders für die Tradition des Chorgesanges.

Über 50 Jubilare erhielten in der Folge Urkunden, Ehrennadeln und Ehrenmedaillen, abgestuft nach der Dauer ihrer musikalischen Aktivitäten ausgestellt vom Chorverband Westmünsterland, dem Chorverband Nordrhein-Westfalen und dem Deutschen Chorverband. 25, 40, 50, 60 und 65 Jahre Singen im Chor, das sind Zahlen, die gelobt und bewundert werden. Wie man daran anschließen kann, daran ließ der Vorsitzende des Chorverbandes Westmünsterland, Reinhard Menke, keinen Zweifel. In einer „Brandrede“ an die Festgäste machte er deutlich, dass die veränderte Berufswelt und die heutigen Lebensentwürfe auch von Traditionsvereinen eine Reaktion erfordern.

Arbeiten in Projekten, flexible Probenzeiten, moderne Chorliteratur und Spaß an der Sache, das Einstehen für den Chorgesang mit Herzblut und die Aufnahme von neuen jungen Sängern in die Gemeinschaft sind dabei wesentlich. Ebenso wichtig ist die ganz direkte persönliche Ansprache von Menschen, die noch nicht wissen, dass sie überhaupt singen können. Nur so kann das Feuer erhalten werden, wird die Flamme weitergetragen, denn mit der Pflege der Asche ist es nicht getan. Reinhard Menke forderte die Anwesenden auf, nicht ständig über sinkende Sängerzahlen zu klagen, sondern sich selbst als Markenbotschafter*innen ihres wunderschönen Hobbys zu präsentieren und dabei auf die Wünsche und Bedürfnisse zukünftiger Sänger*innen einzugehen. Er betonte: „Niemand kommt aus Mitleid als neuer Sänger oder als neue Sängerin in einen Chor! Liefert den zukünftigen Mitgliedern gute Argumente – musikalisch und menschlich – und der Erfolg wird bald sichtbar werden.“

Nach diesem flammenden Appell für die Chorszene endete die Veranstaltung mit einer besonderen Ehrung: Der MGV Eintracht Alstätte 1897 e.V. erhielt die Urkunde für sein 125-jähriges Bestehen. Voller Stolz konnten der Vorsitzende Hermann Terweh und einige Chormitglieder die Gratulationen der Anwesenden entgegennehmen. Dass ein Männerchor über eine so lange Zeit bestehen kann und dabei alle Unbilden der Geschichte übersteht, zeugt sicher auch vom guten Zusammenhalt der Mitglieder untereinander und Generationen übergreifend. In erster Linie aber zeigt sich hier die Kraft der Musik.