Wenn der Vater mit der Tochter

Begeistert sangen und schunkelten die Gäste der Tagespflege Vreden mit beim Konzert von Urgestein Werner Bußmann und Andrea Küpers.

Die Taxifahrer brauchten ein wenig Geduld am Dienstag, als es bei der St. Marien Tagespflege Vreden ans Abholen ging.

Nur zögerlich wollten die Gäste an diesem Tag nach Hause. Eben noch hatten alle gemeinsam geschunkelt und einige hatten mitgesungen: Werner Bußmann und Andrea Küpers spielten das Kufsteinlied. Vater und Tochter saßen auf Stühlen unter einem Baum im Hof beim Servicewohnen Vreden und gaben an Akkordeon und Gitarre eine volkstümliche Weise nach der anderen zum Besten – sehr zur Freude der Bewohner*innen und Tagespflege-Gäste.

Viele kennen Werner Bußmann noch als „Weltenbummler“ und Busreiseveranstalter. „Er hat früher auf seinen Busfahrten auch immer die Leute unterhalten“, erzählt Tochter Andrea Küpers. Mit Trecksack, populären Melodien und kurzweiligen Erzählungen wusste der findige Reiseunternehmer sein Publikum bestens zu unterhalten – eine Fähigkeit, die dem 85-Jährigen bis heute erhalten geblieben ist. Das musikalische Talent hat er ganz offensichtlich an seine Tochter Andrea vererbt, die unter anderem an der Musikschule Vreden den Musikgarten betreut.

Musik und Garten sind nicht nur in Corona-Zeiten eine gute Kombination. Das wissen auch die Verantwortlichen im Pflegenetz Westmünsterland. Für Tagespflege-Gäste ist der Konzertgenuss allerdings sonst eher die Ausnahme. Hedwig Vogeshaus vom benachbarten Servicewohnpark machte es möglich. Sie hatte kurzerhand die Tagespflege-Gäste mit eingeladen, als sie das Konzert organisierte. Und so zogen Pflegerin Agnes Gebing und die Betreuungskraft Heike Resing mit ihren Schützlingen ums Eck, wo sich bereits zahlreiche Bewohner des Servicewohnparks im Hof und auf ihren Balkonen versammelt hatten. Dort hatten einige auch Kinder und Enkelkinder mitgebracht, die auf diese Weise Bekanntschaft mit für sie ganz neuem Liedgut machten.

„Für uns ist es schön, dass wir den Gästen auch wieder etwas Besonderes anbieten können“, sagt Agnes Gebing. Aufgrund der Corona-Pandemie waren Begegnungen dieser Art kaum möglich, außerdem konnte die Tagespflege nicht voll ausgelastet werden, weil das Abstandsgebot weniger Gäste zuließ als sonst üblich. Nun aber sei es wieder möglich, auch neue Gäste aufzunehmen. Agnes Gebing: „Das Leben kehrt zurück.“

Rund 30 Bewohner*innen und Gäste schwelgten so gemeinsam in Erinnerungen und sangen „aus voller Brust“ Lieder wie „Waldeslust“, „Hoch auf dem gelben Wagen“, „Mein Vater war ein Wandersmann“ oder eben das Kufsteinlied. Andrea Küpers lud zum Mitsingen und Mitmachen ein. „Es darf gejodelt werden!“, rief sie. So mag es sein, dass mancher Taxifahrer bei der Heimfahrt der Gäste von fröhlichem Summen und dem ein oder anderen Jodler begleitet wurde.