Zusammen für Insekten- und Artenschutz

Immer mehr Blühpaten an der Seite der Bauern und Bäuerinnen

Zusätzlich zu den mit staatlichen Prämien geförderten Blühflächen legen in diesem Jahr wieder hunderte Landwirt*innen im Kreis Borken unentgeltlich Blühstreifen an. Eine größer werdende Zahl lokaler Projekte ermöglicht es nun auch der Bevölkerung, sich für mehr Insekten- und Artenschutz auf dem Acker zu engagieren.

Die Aktion „Blühendes Band durch Bauernhand" des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) und der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft geht 2021 im Kreis Borken ins vierte Jahr. Die schwere Palette mit Saatgutsäcken ist in dieser Woche in der Kreisgeschäftsstelle in Borken eingetroffen. Die Ortsverbandsvorstände koordinieren nun vor Ort die Weiterverteilung des für die Landwirt*innen kostenlosen Saatgutes. Die leisten ihren freiwilligen Beitrag, indem sie die Blühmischungen auf ihren Flächen in den nächsten Wochen in den Boden bringen und dort auf Ertrag verzichten. Das teure Saatgut reicht für über 70 Hektar, was in Summe über 1000 Kilometer an zusätzlichen Blühstreifen bedeuten wird.

Doch auch hier sind die Mittel begrenzt und viele Landwirt*innen würden gerne noch mehr machen. „Wir haben in den letzten Jahren auch schon Blühstreifen angelegt“, erzählt Jonathan Herick aus Vreden-Köckelwick. Schon im letzten Jahr war der Junglandwirt von einer örtlichen Firma angesprochen worden, ob es nicht die Möglichkeit gäbe, zur Förderung der Biodiversität und natürlich für Herz und Auge die Anlage zusätzlicher Blühflächen am Ortsrand zu sponsern. 2021 nun haben er und sein Vater die Idee in die Tat umgesetzt.

Unter dem Titel „Natürlich Vreden“ haben sie die Aktion für Unternehmen und die Bevölkerung geöffnet. Mit großem Erfolg. Für die vorher von ihnen maximal avisierten 2 Hektar haben sich so viele Unterstützer gefunden, dass sie für dieses Jahr keine weiteren Meldungen mehr annehmen können. Ähnliche Erfahrungen hat auch Landwirt*innen Claus Robers in seinem Premierenjahr mit seinem Blühpaten-Projekt gemacht:

„Wir haben außer über einen Zeitungsartikel gar nicht groß Werbung gemacht. Aber das Interesse war riesig. Man hat das Gefühl, die Leute sind offener dafür geworden, wenn es darum geht, dass man für mehr Artenschutz auch selber aktiv werden muss.“ Auch seine betrieblich vorgesehenen 1,3 Hektar für Phacelia, Sonnenblume, Klee und Co. sind ausgeschöpft.

An mindestens sechs dem WLV bekannten Stellen im Kreis Borken werden 2021 Blühpatenschaften angeboten. Ein deutlicher Anstieg zu den letzten beiden Jahren, wo das Prinzip im Westmünsterland erstmals und auch nur vereinzelt ausprobiert worden war.

Die Familie Herick hat ihr Patenschaften-Projekt sogar über den reinen Blühstreifen hinaus ausgeweitet. Auf dem Aktionsfeld – das pflanzenbaulich auf „bestem Boden“ liegt, wie der Vredener betont - gibt es unterschiedlich beschaffene Bereiche mit verschiedenen Pflanzenmischungen. Totholzhecken, Insektenhotels oder auch eine eigens angelegte Wildtränke werten den Lebensraum zusätzlich auf. Um das alles zu stemmen, haben Hericks einen 450-Euro-Jobber für das Projekt angestellt. „Ohne Gegenfinanzierung durch die Unterstützer wäre das nicht möglich gewesen“, sagt der 23-jährige Agrarstudent klipp und klar und freut sich auf die kommenden Monate mit dem Projekt. Ähnlich sieht es Claus Robers. Für ihn steht schon fest: „Wir werden das im kommenden Jahr wiederholen.“

Blühpatenprojekte 2021 im Kreis Borken in der Übersicht

Drei der aktuell sechs Blühpatenprojekte im Kreis Borken sind schon ausgebucht. Bis Ende nächster Woche haben Kurzentschlossene Insektenfreunde in Borken, Raesfeld und Reken aber noch die Chance, Anteile zu zeichnen. Wenn alle Kontingente ausgeschöpft werden, werden im Westmünsterland über 120.000 Quadratmeter an Blühpaten-Flächen zusammenkommen, am meisten in Bocholt, wo der WLV-Stadtverband in der Osterzeit im Zuge einer Strohhasen-Aktion Spenden gesammelt wurden.

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