Die Wiesenvogelsaison 2026 zeigt nach ganzheitlichen Maßnahmen zur Lebensraumoptimierung erste große Erfolge

Die gerade selbstständigen Uferschnepfen sammeln sich oft gemeinsam an Flachgewässern, um dort Nahrung zu suchen. Daher werden Kleingewässer oft mit Wildtierkameras beobachtet. © BSZwillbrock_Daniela Reich

Das Jahr 2026 entwickelte sich aus Wiesenvogelbrille lokal zu einem Erfolg: Nach vielen Maßnahmen zur Optimierung des Lebensraums von Uferschnepfe, Brachvogel und Kiebitz übertrifft der Bruterfolg alle Erwartungen.

Dieses Jahr lag in den Projetkgebieten das Hauptaugenmerk auf dem Teilgebiet „Amtsvennwiesen“ bei Alstätte. Mit 14 Brutpaaren des Brachvogels (sowie zwei unverpaarten Männchen), 44 Brutpaaren des Kiebitzes und 19 Brutpaaren der Uferschnepfe findet man hier das bedeutsamste Wiesenvogelschutzgebiet des Kreises Borken. Insbesondere das Vorkommen der sehr seltenen Uferschnepfe verleiht diesem Gebiet eine überregionale Bedeutung. In den vergangenen Jahren wurden in ganz NRW nur noch etwa 70 Brutpaare gezählt. Somit hat der Kreis Borken eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Art.

Seit Beginn des Projekts LIFE Wiesenvögel NRW wurden über die Jahre bereits einige Maßnahmen zum Schutz der Wiesenvögel durchgeführt: Die Nutzung der größtenteils landeseigenen Flächen wurde gemeinsam mit den Landwirten angepasst, sodass ein Mosaik aus Mähweide, Mähwiese und Weide entstand. Während die Gelege der Arten insbesondere in Flächen ohne Beweidung gute Chancen auf einen Schlupf haben, bieten (Mäh)Weiden geeignete Strukturen für Schutz und Nahrungssuche für die Küken. Außerdem wurden Kleingewässer wiederhergestellt, sodass Schlafplätze vorhanden sind und auch zum Stochern (Nahrungssuche) geeignete Schlammflächen wieder vermehrt anzutreffen sind.

Durch die Entfernung von Gehölzen wurde Offenland wiederhergestellt. Die Wiesenvogelarten meiden höhere Strukturen, nicht zuletzt, weil sie durch fehlenden Weitblick den brütenden Partner bei Gefahren nicht schnell genug warnen können. Denn nicht zu vergessen ist, dass Gehölze Strukturen sind, die Raubtiere für die Jagd als Deckung nutzen, oder Raubvögel als Ansitz. Als letzter Aspekt ist neben der Einzäunung von Brutflächen die Bejagung von Fressfeinden der Wiesenvögel zu nennen – insbesondere Fuchs, Steinmarder, Iltis und Rabenkrähe.

2026 stellte außerdem das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNV) Sofortgelder für die Uferschnepfe bereit.

Dies ermöglichte für ein halbes Jahr die Anstellung eines zusätzlichen hauptamtlichen Jägers und die Anschaffung von weiteren 6 km Zaun. Daher standen dieses Jahr 9 km Schutzzäune rund um die Brut- Nahrungssuch- und Schlafplatzflächen der Art.

Der Aufwand der letzten Jahre zahlte sich aus: während seit Projektbeginn jährlich nur 1-6 Uferschnepfen flügge wurden, waren es dieses Jahr 40 Jungvögel! Diese Zahl führte dazu, dass Umweltminister Oliver Krischer im Juni persönlich im Gebiet vorbeischaute. Neben den Uferschnepfen konnten auch einige der 14 flüggen Brachvogelküken und der 46 flüggen Kiebitzküken beobachtet werden.

Wiesenvogelschutz ist Teamwork!
Dieser Erfolg wäre ohne die gute Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz nicht möglich gewesen. Wiesenvogelschutz ist Teamwork! Aktuell hofft die Biologische Station Zwillbrock e.V. auf eine Verlängerung der Sofortmaßnahme um ein weiteres Jahr, um gemeinsam mit Landwirt*innen und Jäger*innen an den Erfolgen anzuknüpfen und weitere Lebensraumoptimierungen umsetzen zu können. Das Projekt LIFE Wiesenvögel NRW läuft noch bis Ende 2027, hier wird zurzeit eine Verlängerung bis Ende 2028 beantragt.

Zum Hintergund:
2021 startete das von der EU und dem Land NRW kofinanzierte Projekte LIFE Wiesenvögel NRW. Dies soll Lebensräume von Wiesenvögeln wiederherstellen, erhalten und optimieren. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima leitet das Projekt, 9 Biologische Stationen und die niederländische vogelkundliche Organisation SOVON sind Projektpartner. Im Kreis Borken wird das Projekt von der Biologischen Station Zwillbrock e.V. durchgeführt. Räumlich finden alle Maßnahmen in den beiden Vogelschutzgebieten „Moore und Heiden des westlichen Münsterlandes“ (Vreden, Ahaus, Gronau) und Heubachniederung, Lavesumer Bruch und Borkenberge“ (nahe Reken) statt.

Uferschnepfenküken müssen sich, wenn auch unter Aufsicht der Elterntiere, vom ersten Tag an die Nahrung selbst suchen.
© BSZwillbrock_Daniela Reich
Die adulten Uferschnepfen haben immer ein wachsames Auge auf ihre Küken.
© BSZwillbrock_Daniela Reich
Beim Monitoring kommen Drohnen zum Einsatz, da die Vögel sonst im langen Gras schwer zu finden sind. Diese Aufnahme entstand in 45 m Flughöhe – eine niedrigere Flughöhe wäre eine zu große Störung.
© BSZwillbrock_Daniela Reich
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