Ernte 2026 im Kreis Borken – Trockenheit und Hitze sorgen für unterdurchschnittliche Ergebnisse bei Kartoffeln, Mais und Winterweizen – Getreideernte weitgehend stabil

Engpässe in der Futterversorgung für Landwirtinnen und Landwirte erwartbar

Blicken auf ein herausforderndes Erntejahr zurück: (v.l.n.r.) Stellv. WLV-Kreisverbandsvorsitzende Bettina Hueske, Elke Böyer (Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ortsverbandes Gescher) und Kreislandwirt Heinrich Emming.

Die Landwirtschaft im Kreis Borken blickt auf ein von Wetterextremen geprägtes Erntejahr zurück. Trotz guter Aussaatbedingungen sorgte die langanhaltende Trockenheit sowie mehrere Hitzewellen ab Ende Juni für erhebliche Belastungen in vielen Kulturen. Während die Wintergerste und der Roggen noch vergleichsweise stabile Ergebnisse erzielten, führten Hitze und Wassermangel insbesondere bei Mais, Grünland, Kartoffeln und Zuckerrüben zu deutlichen Ertragseinbußen. Die Getreideernte verlief insgesamt zügig. Die Wintergerste erreichte mit durchschnittlich 7,5 Tonnen je Hektar solide Erträge, auch Roggen und Triticale zeigten sich vergleichsweise robust. Winterweizen blieb dagegen rund zehn Prozent unter dem langjährigen Mittel, da die hohe Hitze während der Kornfüllung vielerorts zu einer vorzeitigen Abreife führte.

Besonders angespannt ist die Lage beim Mais. Späte Bestände und Zweitfruchtmais litten stark unter Trockenstress während der Blüte. Auf einzelnen Flächen bildeten sich nur wenige oder gar keine Kolben aus. „Die Ernte erster stark geschädigter Bestände begann bereits Mitte August. Das ist deutlich früher als in den Vorjahren“, erklärt die stellvertretende WLV-Kreisverbandsvorsitzende Bettina Hueske. Je nach Standort werden teilweise nur rund 60 Prozent der üblichen Erträge erwartet.

Auch Grünland und Ackergras litten unter der anhaltenden Trockenheit. Nach guten ersten Schnitten fielen weitere Aufwüchse deutlich geringer aus oder blieben ganz aus. Für viele Betriebe wird voraussichtlich mindestens ein Schnitt zur Grundfutterversorgung fehlen. „Das bedeutet teures Hinzukaufen von Futtermitteln und die Nachsaat des Grünlandes“, macht Bettina Hueske, die selbst Landwirtin auf dem eigenen Milchviehbetrieb ist, klar.

Zuckerrüben und Kartoffeln zeigen ebenfalls deutliche Folgen der Trockenperiode. Proberodungen bei Zuckerrüben weisen auf historisch niedrige Erträge hin, während Kartoffelbestände trotz guter Frühjahrsbedingungen unter Wasserknappheit und Hitzestress litten. Spitzenerträge sind in beiden Kulturen kaum zu erwarten. So wird bei der Kartoffelernte von vielen Untergrößen ausgegangen. Die Landwirtschaft wird sich weiter auf den Weg machen, Ackerflächen und Stallungen für heiße und trockene Sommer auszurichten. Bettina Hueske fordert: „Dafür braucht es Sicherheit und spürbare Entlastungen von Seiten der Politik. Bürokratieabbau muss vom Wahlprogramm jetzt endlich auch in die Umsetzung kommen. Ebenso wichtig für uns Betriebe ist die langgeforderte Risikoausgleichsrücklage, um in guten Jahren Geld steuerfrei zurücklegen zu können.“

Gerade junge Landwirtinnen und Landwirte brauchen eine sichere Perspektive. „Die Arbeit auf dem Hof ist so vielfältig. Jeder Tag ist anders. Ich kann den Beruf trotz aller Herausforderungen nur empfehlen“, ergänzt Elke Böyer, Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ortsverbandes Gescher (LOV).

Die letzten Niederschläge geben Hoffnung auf eine teilweise Erholung spät entwickelter Bestände. Insgesamt wird die Ernte 2026 im Kreis Borken jedoch unter den Erwartungen bleiben.

Über den Hof Böyer – Veranstaltungsort des Pressetermins
Elke und Rainer Böyer betreiben auf ihrem Hof in 3. Generation Schweinehaltung in der Bauernschaft Estern, gelegen zwischen Gescher und Südlohn. Im geschlossenen System bleiben die Ferkel, die im Abferkelstall geboren werden, bis zum Ende der Mast auf dem Betrieb und werden dort bis zur Schlachtreife gemästet. Das gesamte Management vom Ferkel bis zum Mastschwein liegt also in einer Hand.

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