Gewinne ohne Gewissen

Für die Profite europäischer Unternehmen bezahlen noch immer zu oft Menschen und Umwelt: Kinder -die jüngsten vier Jahre alt- in Indien graben in tiefen Löchern nach dem Mineral Mica. Menschen, die unsere Kleidung herstellen, arbeiten für Hungerlöhne. Ein Konzern aus Europa bedroht mit einem Mega-Erdölprojekt Menschen und Tiere in Ostafrika… Überall auf der Welt leiden Mensch und Natur entlang der Wertschöpfungsketten europäischer -auch deutscher!- Unternehmen.

Menschengemachte Katastrophen wie z.B. der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza mit über 1.100 Toten im April 2013 in Bangladesch sollten sich niemals wiederholen. Daher startete 2019 ein großes Bündnis aus NGOs, Kirchen, Gewerkschaften und lokalen Akteuren, um für ein deutsches und danach ein EU-weites Lieferkettengesetz zu kämpfen.

Gemeinsam mit über 90 Mitgliedsorganisationen hat die Initiative Lieferkettengesetz fünf Jahre lang Petitionen gestartet, Protestaktionen durchgeführt, Veranstaltungen organisiert, Gespräche mit Politiker*innen geführt, Recherchen veröffentlicht und vieles mehr.

Auch der Eine-Welt-Kreis Vreden hat sich mit einer Ausstellung in der St. Georg-Kirche, mit einer Unterschriftenaktion im Weltladen und mit einer Artikelserie mit Statements engagierter Vredener Bürger*innen im Vredener Anzeiger beteiligt.

Die Arbeit hatte Erfolg: Am 1. Januar 2023 trat das Lieferkettengesetz in Kraft. Erstmals sind große deutsche Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern gesetzlich verpflichtet, Risiken für Menschenrechte und Umwelt in ihren Lieferketten zu identifizieren und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Ein Meilenstein, der Wirkung zeigt und in vielen Fällen auch schon zu ganz konkreten Verbesserungen geführt hat. Studien zeigen zudem, dass Unternehmen in der Regel gut mit den Anforderungen des Gesetzes zurechtkommen.

2024 trat zudem die EU-Lieferkettenrichtlinie in Kraft – mit zusätzlichen Regeln, die das Lieferkettengesetz weiter verbessern sollten.

Eigentlich!

Denn es ist noch lange nicht vorbei! Der politische Wind hat sich gedreht. Unter dem Deckmantel des Bürokratieabbaus – angetrieben durch die Lobby großer internationaler Konzerne und Rechtsaußenpolitik – soll Profit wieder über Verantwortung für Menschen und Umwelt stehen. Das deutsche Lieferkettengesetz und die EU-Richtlinie sind in Gefahr – der Kampf für deren Erhalt und wirksame Umsetzung muss weitergehen!

Wer sich weitergehend informieren möchte, findet im Weltladen Vreden eine kostenlose Aktionszeitung zum Thema Menschenrechte stärken, Lieferketten verteidigen.

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